www.LeineBlick.de:

Planetenpfad in Garbsen:
Sind unser Leben und diese Erde ein einzigartiges Phänomen?
- von Wolfgang Siebert -

Entgegen allen schönen Träumen und Phantasien scheint man diese Frage bejahen zu müssen: Jedenfalls liegen Sonnensysteme, die einen Planeten besitzen, der Bedingungen für die Entstehung von Leben (so wie wir es verstehen) bietet, nicht in erreichbarer Nähe.
Die Hoffnung in unserem Planetensystem höher entwickeltes Leben zu finden, haben die Wissenschaftler längst aufgegeben und schon der nächste Fixstern, d.h. die nächste Sonne, ist so weit entfernt, dass ein Funkspruch etwa 4 Jahre und 4 Monate benötigt, um dort anzukommen. Auf eine 'Antwort per Handy' müsste man also fast 7 Jahre warten.  - Solche Entfernungen sind unvorstellbar...
Hier wenigstens ein wenig Unterstützung bei der Vorstellung solcher Dimensionen zu leisten, hat der Freundeskreis Garbsen seit vielen Jahren daran gearbeitet, ein großes Modell (das in Wahrheit noch überaus winzig ist) vor dem Schulzentrum I zu errichten. 
Die Ausmaße bis zum sonnenfernsten Planeten, dem Pluto, der vor der Schule am Kleegrund steht, erstrecken sich über knapp 270m, was in der Wirklichkeit einer Entfernung von knapp 6 Milliarden Kilometern entspricht. Das Licht braucht, um eine solche Strecke zurückzulegen, etwa 5,5 Stunden. 

Die Erde, nach Merkur und Venus der dritte Planet im Sonnensystem, ist dagegen nur etwa 7 Meter von der Sonnenstele entfernt. In Wirklichkeit sind das 150 Millionen Kilometer oder eine Astronomische Einheit (AE). Ein Funkspruch wäre auf einer solchen Strecke immerhin noch 8 Minuten und 19,5 Sekunden unterwegs. 

Venus und Mars sind die beiden Nachbarplaneten der Erde

Soweit so gut: Spätestens mit diesen Bildern wird dem Kenner der Materie aber der unvermeidliche Kompromiss des Garbsener Modells deutlich, der den didaktischen Wert des Planetenpfades doch ein wenig in Frage stellt: Für die hier gewählten Entfernungen ist das - asthetisch sicher gelungene - Modell der Sonne um den Faktor 16 zu groß! - Der schöne messingfarbene Sonnenball dürfte nur einen Durchmesser von 6¼ cm haben!

- Was aber wäre dann aus den Modellen der Planeten geworden? - Der Durchmesser der Erde hätte im Modell nicht mehr 9mm betragen können, sondern die Erde wäre zu einem Staubkörnchen von etwa einem halben (0,6) Millimeter Durchmesser geschrumpft - und somit kaum noch erkennbar. - Was den Weiten des Alls zwar nicht unangemessen wäre, aber kaum zu vermitteln...

So ist an der Sonnenstele dann auch zu lesen, dass die Entfernungen der Planeten eigentlich alle 16mal größer sein müssten: Das Modell der Erde müsste in etwa 110 m Entfernung stehen, fast vor dem Eingang der Orientierungsstufe. Der Rand des Sonnensystems aber wäre am Westufer des Blauen Sees auszumachen, in 4296m Entfernung. Er hätte auch in diesem Modell den Durchmesser von nur 1,7 Millimetern!
- Eine Entfernung übrigens, von der man hofft, dass eine Raumsonde sie in 9,5 Jahren sie zurücklegen kann. Die gefunkten Messdaten wären dann - wie bereits gesagt - 5,5 Stunden unterwegs: Steuern müsste sich die Sonde selbst.
Wenn wir die oben abgebildete Strecke zurück zur Sonnenkugel gehen, ...

... begegnen wir nach einem Viertel des Weges dem Neptun, immer noch 30mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Neptun hat einen fast viermal größeren Durchmesser als die Erde, ist aber ein Gasplanet.

Hat man ein weiteres Viertel der Strecke, also insgeamt die Hälfte des ganzen Weges zur Sonne zurückgelegt, kreuzt man die mittlere Bahn des Uranus, auch ein Gasplanet, der etwas größer als der Neptun ist.

An der Saturn-Stele (auf der Höhe der Hauptschule) liegen  vom Pluto kommend schon drei Viertel der Strecke hinter uns. 
Der Saturn besteht auch aus Gas und ist fast 10mal so groß und 10mal so weit weg von der Sonne wie die Erde. - Seine berühmten Ringe sind im Modell leider nicht angedeutet.

Jupiter ist der Größte: Nicht nur der Götterchef der Römer trägt diesen Namen, sondern auch der fünfte Planet im Sonnesnsystem. Sein Durchmesser ist etwa 11mal so groß wie der der Erde und seine Masse beträgt fast das 320fache.
- Dennoch: Gegenüber der Sonne, von der er gut 5mal so weit entfernt ist wie die Erde, ist er immer noch ein Zwerg: Seine Masse ist 1000mal geringer und sein Durchmesser beträgt etwa ein Zehntel des der Sonne.

Weitere Daten zu den Planeten - insbesondere auch zu den erdnahen - finden Sie auf den phantastischen Seiten von www.atronomia.de.

Die Band der Realschule spielt auf...

Aus den Weiten des Sonnensystems nun zurück auf die Erde in das kleine Städtchen Garbsen: "Wir haben das Sonnensystem nach Garbsen geholt." - So oder ähnlich konnte man am 23.6.2003 in den Ansprachen und den Berichten über die Übergabe des Planetenpfades hören oder lesen. - Was zunächst vielleicht etwas fröhlich forsch klingt, sollte allerdings durchaus zutreffen, denn indem der Mensch sich etwas vor-stellt, eignet er es sich an und es wird zur Realität in seinem Denken.

... später gesanglich unterstützt durch Schülerinnen der Orientierungsstufe

In diesem Sinne bleibt wirklich zu hoffen, dass es möglichst vielen Bürgern, vor allem aber Schülerinnen und Schülern gelingt, dieses Modell als Ganzes zu 'sehen' und für die eigene Welt- Anschauung nutzbar zu machen.

Links vorn im Bild der Garbsener Grafiker Rudolf Spier, der den Planetenpfad konzipiert hatte.
Hans Georg Pott vom Freundeskreis Garbsen gab einen Rückblick auf die Höhen und Tiefen der Realisierung des Planetenpfades, der zunächst ganz maßstabsgetreu in der Garbsener Schweiz errichtet werden sollte. Da sich dies u.a. aus Gründen des Hochwassers und anderen Problemen mit Grundstücken nicht realisieren ließ, kam man auf den Planetenring und den Platz vor dem dortigen Schulzentrum. Hier mussten die Distanzen allerdings auf ein Achtel verkleinert werden. Das Modell hätte so bis zur Sandstraße reichen sollen. Schließlich sah man sich aber doch gezwungen ein weiteres Mal zu verkleinern, um das Projekt endlich für 26000 Euro (statt wie anfangs ins Auge gefasst für 70000 Euro) realisiert zu können. 
Der Dank des Redners galt allen Beteiligten, besonders den Sponsoren (die Stiftung der Volksbanken hatte schließlich mit 10000 Euro den Löwenanteil übernommen) und auch den Schülern und Eltern, die durch verschiedene Aktionen, vor allem aber einem großen Sponsorenlauf des gesamten Schulzentrums 5000 Euro aufbrachten. - Für Pluto und Neptun (je 2000 Euro) werden übrigens noch Sponsoren gesucht. 
 

Die wissenschaftliche Erläuterung des Planetnepfades übernahm Prof. Dr. Heinz Haferkamp
Doris Günther, Leiterin der Orientierungsstufe I, hatte die Realisierung des Planetenpfades stets sehr am Herzen gelegen. Sind es doch die 10 bis 12jährenen Kinder, die künftig dieses Modell direkt für den Unterricht nutzen werden.
Das Schulzentrum hat eine Bereicherung erhalten. Der Planetenring ist "sonniger" geworden.... 
'Keplermönche'? 
- Junge Expertinnen und Experten warten auf den Einsatz an den Stelen - die übrigens, auch das muss hier einmal gesagt werden, aus Kostengründen aus China importiert wurden....

Links:

nach oben